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Startseite » Forenübersicht » Kreativbereich » Vor der Aufnahme » Photogrammetrie: Wer hat Erfahrung?
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Alt 07.11.2018, 12:33   #1
Sir Donnerbold Duck
 
 
Registriert seit: 16.01.2005
Ort: Pfinztal
Beiträge: 2.027
Photogrammetrie: Wer hat Erfahrung?

Hallo,

folgendes Problem: ein Freund hat eine alte Segelyacht, die ich (von ihm angestiftet) eventuell als Modell nachbauen möchte. Leider sind die Pläne im 2. Weltkrieg verbrannt, es liegen keine Linienrisse vor. Ich müsste also den Rumpf des Bootes ausmessen. Der wiederum liegt aber gut 1000 km entfernt in Südfrankreich und damit nicht vor meiner Haustür. Daher kam ich auf die Idee, dass das Verfahren der Photogrammetrie dazu geeignet sein könnte, denn die nötigen Fotos könnte der Bootseigner machen und mir mailen. Mir ist klar, dass das ganze Vorhaben grenzwertig spinnert ist, aber mich reizt das schon.

Nun kenne ich mich mit Photogrammetrie an sich aber überhaupt nicht aus. Daher meine Fragen:
  • Hat jemand hier im Forum damit Erfahrung und kann mir sagen, ob Photogrammetrie für meine Zwecke überhaupt ein geeignetes Verfahren wäre?
  • Welche Software ist dafür zu empfehlen?
  • Was gilt es bei der Anfertigung der Fotos zu beachten?
  • Wie verarbeite ich die Daten dann weiter? Ich müsste ja das per Photogrammetrie erstellte 3D-Modell des Bootsrumpfes virtuell in Scheiben schneiden, um die Spant- und Linienrisse zu erstellen. Welche Software wäre da zu empfehlen?
Einschränkende Randbedingung: das ist für Hobbyzwecke, die Kosten sollten also so niedrig wie möglich sein. Mit genug Geld gäbe es ja andere Wege, den Rumpf aufzumessen.

Gruß
Jan
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Alt 07.11.2018, 13:19   #2
ha_ru
 
 
Registriert seit: 10.12.2010
Ort: In Sichtweite der Burg Teck
Beiträge: 1.930
Hallo Jan,

ich kenne mich bei Yachten gar nicht aus, aber bei Segelflugzeugen.

Da ist es so, dass man (zumindest bei Baumustern bis die Freiformflächen in Konstrukion und Bau Einzug gehalten haben) aus den Umrissen und der Kenntnis der Konstruktionsprinzipien der Epoche die Flugzeuge so exakt nachkonstruieren kann, dass es für einen Scalenachbau ausreicht. Da muss man also nichts vermessen. Eventuell ist das beim Yachtbau ja auch so und man kommt so viel einfacher ans Ziel.

Kurz gegoogelt bin ich hier gelandet:
https://www.classic-modellyacht-design.de/Home
Als Software wird dort Defltship (kostet 150€) empfohlen.

Wir Modellselbstbauer sind meistens sehr aufgeschlossen und wenn Du Da mit deinem speziellen Vorhaben nachfragst, bekommst Du höchstwahrscheinlich Hilfestellung.

Hans
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Alt 07.11.2018, 15:46   #3
Sir Donnerbold Duck

Themenersteller
 
 
Registriert seit: 16.01.2005
Ort: Pfinztal
Beiträge: 2.027
Hallo,

das ist bei Segelyachten leider nicht so einfach, da die Form des Bootsrumpfes doch immer sehr individuell ist. Außerdem hängt von der Form des Rumpfes ja auch einiges andere ab, was Stabilität und Segeleigenschaften bestimmt: Verdrängung, Lateralschwerpunkt etc.

Gruß
Jan
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Alt 16.11.2018, 08:52   #4
Smurf
 
 
Registriert seit: 05.01.2012
Beiträge: 230
Wenn du von 3d keine Ahnung hast waere der Einstiegsaufwand fuer dich zeitlich ziemlich hoch. Die Daten die dabei herauskommen sind ohne Nachbearbeitung schwer handelbar.
Es gibt prinzipbedingte Fehler und Löcher und eigentlich muss schon der Fotograf nen Gespür dafür haben welche Fotos er wo und wie macht. Mal eben so jemand sagen er soll Fotos schiessen wird nicht brauchbar funktionieren. Photogammetrie per Hand funktioniert bei kleineren Sachen sehr gut, eine Jacht halte ich größenmäßig für problematisch. Die Genauigkeit wird dir nicht genügen.
Es wäre sinntragender tatsächlich Fotos zu machen die zu entzerren und die Maße dort abzunehmen und einfach per CAD eine Zeichnung zu machen.
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Alt 16.11.2018, 11:56   #5
der_knipser
 
 
Registriert seit: 01.04.2008
Ort: Ingelheim
Beiträge: 10.391
Photogrammetrie gebrauche ich manchmal bei der Konstruktion von Gebäuden, und auch dort nur mit einfachen Mitteln und nur für untergeordnete Zwecke. Es würde dafür ausreichen, Fenster in einer Fassade so abzubilden, dass die Fenster einer geplanten Aufstockung fluchtgerecht und in ähnlicher Größe darüber liegen. Es würde aber nicht ausreichen, um bestehende Fenster durch neue zu ersetzen, weil diese tatsächlich genauer gemessen werden müssten.

Ich kann mit einfacher Photogrammetrie planare Flächen so abbilden, dass Details über CAD messbar sind.
Als Grundlage zum Entzerren der Bilder brauche ich ein paar Referenzmaße, die möglichst weit außen auf der Fläche liegen. Ich nehme sie normalerweise mit dem Tachymeter, das geht genauer als mit dem Bandmaß. Empfehlenswert ist das Aufnehmen mit einem Festbrennweiten-Objektiv, dessen Verzeichnungen man nach Datenblatt korrigieren kann. Zooms (oft mit wellenförmiger Verzeichnung) sind für so eine Aufgabe nur bedingt geeignet und benötigen wellenförmige Entzerrung.
Alle Bildpunkte, die nicht auf der planaren Fläche liegen, sind zum Messen nicht verwertbar. Jedenfalls nicht mit den Mitteln, die einem Laien zur Verfügung stehen.

Ich würde mir selbst nicht zutrauen, ein Boot, das ja kaum gerade Flächen hat, mittels Photogrammetrie zu modellieren. Ich halte für diese Aufgabe einen 3D-Scanner für geeignet. Damit bekommst Du ein umfassendes 3D-Modell, dessen Vollständigkeit Du beliebig in Deiner Hand hast, indem Du genügend Standorte miteinander verknüpfst, so dass möglichst keine Schattenbereiche fehlen.
Das Ergebnis des Scans ist eine räumliche Punktwolke, die sich in verschiedene Formate konvertieren lässt, die dann auch mit "normaler" CAD-Software weiter bearbeitbar sind.
3D-Scanner kann man für relativ günstiges Geld mieten.


Hier geht es ja nicht um echte passgenaue Rekonstruktion, sondern um einen Nachbau im Modell, der ein gewisses Maß an Abweichungen haben darf. Für den Zweck würde ich sicher auch mit Bildern arbeiten. Ich halte Aufnahmen mit langem(!) Teleobjektiv für geeignet, weil diese am ehesten einer parallelen Perspektive (also einem technischen Ansichtsplan) entsprechen. "Normale" Fotos, die ein Tourist mit Handy oder sonstigem Weitwinkel aus willkürlich gewählten Perspektiven aufnimmt, halte ich für unverwertbar. Und: 3D-Maße nehmen ist trotz guter Fotos unerlässlich.
__________________
Gruß aus Ingelheim am Rhein,
Gottlieb
der_knipser ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 18.11.2018, 10:14   #6
Sir Donnerbold Duck

Themenersteller
 
 
Registriert seit: 16.01.2005
Ort: Pfinztal
Beiträge: 2.027
Hallo,

danke für eure Antworten und Einsichten. Dann scheint das Verfahren also für meine Zwecke ungeeignet. Ich dachte mir schon, dass der Aufwand, sich für eine einmalige Anwendung in das Thema einzuarbeiten, in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis steht - zumal dessen Qualität wohl eher zweifelhaft ist.

Ein 3D-Scanner ist wohl deutlich außerhalb des Kostenrahmens. Angeblich gibt es noch irgendwo ein Halbmodell des Rumpfes, was natürlich einfacher zu vermessen wäre. Mal sehen, ob ich das auftreiben kann.

Gruß
Jan
__________________
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Alt 18.11.2018, 11:31   #7
screwdriver
 
 
Registriert seit: 05.12.2011
Ort: Berlin
Beiträge: 5.360
Zitat:
Zitat von Sir Donnerbold Duck Beitrag anzeigen
Ein 3D-Scanner ist wohl deutlich außerhalb des Kostenrahmens.
Das Fehlen teurer Technik kann man in gewissem Rahmen durch Zeiteinsatz kompensieren.
Meine Hilfsmittel der Wahl wäre ein (Doppel-) Kreuzlinienlaser plus elektronischer Distanzmesser.
Ausserdem eine gespannte Schnur als "feste" Bezugslinie.
Und natürlich ein gutes Bandmass um für die wichtigsten "krummen Linien" direkt mal ein genaues Längenmass zu haben.
Damit und mit einem Helfer könnte man an einem Nachmittag sicher ausreichend viele Bezugspunkte vermessen.
Ob du das anderen vor Ort überlassen kannst und "nur" konzeptionell vorbereitest, weiss ich nicht.
Leider sind der geübte Umgang mit Messmitteln und das Lesen von Zeichnungen nicht allgemein übliche Fähigkeiten.
__________________
Gruss aus Berlin, Volker

Der Fotografierer macht das Bild, nicht die Kamera.
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